Klassische Unterwasserreinigung gerät unter Umwelt- und Regulierungsdruck.
Oberflächenverträglichkeit, Auffangrate und Coating-Zustand.
Häfen schauen differenzierter auf Unterwasserreinigung.
Standortbezogener Ansatz: Häfen, Beschichtung und Reinigungsziele zusammen betrachten.
In-water cleaning with capture (IWCC) kombiniert die mechanische Entfernung von Bewuchs mit der Auffangung des gelösten Materials – Biozidpartikel, organische Fragmente und lebende Organismen – bevor es in das umgebende Wasser gelangt. Das Grundprinzip: Eine Reinigungseinheit (Brush-Cart, Disc-Unit oder Wasserstrahl-Plattform) arbeitet unter einem Auffangrahmen, der über Saugschläuche mit einer Filtereinheit an der Wasseroberfläche oder an Bord verbunden ist.
Die kritische technische Größe ist die Capture Rate – der Anteil des gelösten Materials, der tatsächlich aufgefangen wird. Seriöse Systeme erreichen Capture Rates von 90-97 % für Partikel über 50 μm. Für gelöste Biozide (Kupferionen, Zinkpyrithion) liegen die Werte deutlich niedriger – oft bei 50-70 % – weil gelöste Stoffe den Filter passieren. Einige Systeme setzen daher zusätzliche chemische Bindungsstufen (Aktivkohle, Ionentauscher) ein, was die Betriebskosten erhöht.
Die Oberflächenverträglichkeit ist der zweite kritische Faktor. Rotierende Bürsten mit harten Borsten sind für Foul-Release-Coatings ungeeignet – sie zerstören die glatte Silikonoberfläche. Weiche Reinigungsscheiben oder kalibrierte Wasserstrahlen sind kompatibel, erreichen aber bei schwerem kalkhaltigen Bewuchs ihre Grenzen. Das bedeutet: IWCC funktioniert am besten, wenn es proaktiv eingesetzt wird – bei leichtem bis moderatem Bewuchs, wo schonende Methoden ausreichen.
Die Systemgröße variiert erheblich. Kompakte Einheiten für Taucher-gestützte Reinigung eignen sich für kleine Flächen (Seeventile, Propellerwelle, Boot-Topping-Bereich). Großflächige ROV-basierte Systeme können komplette Rümpfe bearbeiten, erfordern aber erhebliche Infrastruktur: Versorgungsschiff, Filteranlage, geschultes Personal. Die Kosten liegen typischerweise bei 15.000-50.000 USD pro Einsatz – abhängig von Schiffsgröße und Bewuchsgrad.
Die praktische Bedeutung von IWCC liegt weniger in der Technologie selbst als in den Marktzugangsvorteilen, die sie bietet. Häfen wie San Diego, Auckland und Sydney erlauben Unterwasserreinigung nur noch mit zugelassenen Capture-Systemen. Wer dort reinigen will, muss den Dienstleister und das System vorab genehmigen lassen – ein Prozess, der Wochen dauern kann.
Für Betreiber bedeutet das: Die Entscheidung für oder gegen IWCC ist keine rein technische, sondern eine logistische. Welche Häfen im Fahrtgebiet verlangen Capture? Welche Dienstleister sind dort zugelassen? Wie lang ist die Vorlaufzeit für eine Genehmigung? Diese Informationen müssen Teil der Reiseplanung sein, nicht eine Reaktion auf Probleme unterwegs.
Ein weiterer praktischer Aspekt ist die Dokumentation. IWCC-Einsätze erzeugen einen Datensatz: Vorher-Nachher-Inspektion, Filtrat-Analyse, Capture-Rate-Messung. Diese Daten sind für den Biofouling Management Plan, für CII-Nachweise und für Hafenstaat-Compliance unmittelbar verwertbar. Im Gegensatz zur konventionellen Reinigung ohne Capture, die oft nur einen Taucherbericht liefert, bietet IWCC eine auditfeste Dokumentationskette.
Der IWCC-Markt befindet sich im Übergang von der Nische zum Standard. Führende Anbieter wie ECOsubsea, HullWiper und Fleet Cleaner haben ihre Präsenz in den letzten fünf Jahren auf über 50 Häfen weltweit ausgebaut. Die Technologie ist verfügbar – aber nicht überall. In Teilen Afrikas, Südostasiens und Südamerikas gibt es noch erhebliche Versorgungslücken.
Die IMO-Revision der Biofouling-Guidelines wird voraussichtlich die Nachfrage weiter beschleunigen. Wenn Capture zur Voraussetzung für legale Unterwasserreinigung wird – was in Australien und Neuseeland bereits der Fall ist – müssen Betreiber die Verfügbarkeit von IWCC in ihre Routenplanung einbeziehen. Das verändert die Hafenauswahl und damit die operative Geografie.
Vor der Entscheidung für IWCC sollten Betreiber drei Kompatibilitätsfragen beantworten: (1) Coating-Kompatibilität – Ist das eingesetzte System für den vorhandenen Coating-Typ (SPC, FRC, CDP) freigegeben? Der Coating-Hersteller sollte schriftlich bestätigen, dass die Reinigungsmethode die Garantie nicht beeinträchtigt. (2) Hafen-Kompatibilität – Ist der gewählte IWCC-Anbieter im Zielhafen zugelassen? Genehmigungsstatus ändert sich; monatliche Aktualisierung ist ratsam. (3) Wirtschaftlichkeit – Bei welchem Bewuchsgrad lohnt sich IWCC gegenüber dem Weiterbetrieb mit erhöhtem Verbrauch bis zur nächsten Dockung?
Die Antworten variieren je nach Schiffstyp, Fahrtgebiet und Coating-Zustand. Eine pauschale Empfehlung ist nicht möglich – aber eine strukturierte Bewertung entlang dieser drei Achsen liefert eine belastbare Entscheidungsgrundlage.
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