Die 2025-Amendments behandeln Themen wie die Anerkennung von Seeleuten als Schlüsselarbeitskräfte und faire Behandlung. Die Erfahrungen der COVID-19-Pandemie haben die Diskussion beschleunigt: Hunderttausende Seeleute waren monatelang an Bord gefangen, ohne Ablösung, ohne Landgang, ohne angemessene medizinische Versorgung an Land. Die Amendments sind die regulatorische Antwort darauf.
Konkret umfassen die wichtigsten Änderungen: Erstens, die formale Anerkennung von Seeleuten als Schlüsselarbeitskräfte (Key Workers), die auch in Krisenzeiten Zugang zu Landgang, Ablösung und medizinischer Versorgung haben müssen. Zweitens, verschärfte Anforderungen an die Dokumentation von Arbeits- und Ruhezeiten, insbesondere die tatsächliche Einhaltung und nicht nur die formale Aufzeichnung. Drittens, Bestimmungen zur fairen Behandlung von Seeleuten bei Seeunfällen und Hafenstaatverfahren.
Für Betreiber bedeutet das, dass die MLC 2006 in ihrer aktuellen Fassung deutlich mehr operative Substanz hat als das ursprüngliche Übereinkommen. Es reicht nicht mehr, ein MLC-Zeugnis vorweisen zu können. Die Amendments verlangen, dass die Arbeitsbedingungen an Bord tatsächlich den dokumentierten Standards entsprechen.
The 2025 amendments address topics such as recognition of seafarers as key workers and fair treatment. The experiences of the COVID-19 pandemic accelerated the discussion: hundreds of thousands of seafarers were trapped on board for months, without relief, without shore leave, without adequate medical care ashore. The amendments are the regulatory response to this.
Specifically, the most important changes include: first, the formal recognition of seafarers as key workers who must have access to shore leave, relief and medical care even during crises. Second, tightened requirements for documentation of work and rest hours, particularly actual compliance rather than merely formal recording. Third, provisions for fair treatment of seafarers during maritime incidents and port state proceedings.
For operators, this means that the MLC 2006 in its current version carries considerably more operational substance than the original convention. It is no longer sufficient to present an MLC certificate. The amendments require that working conditions on board actually correspond to the documented standards.
MLC-Anforderungen wirken sich im täglichen Betrieb überall dort aus, wo Dokumentation und Praxis auseinanderklaffen. Das klassische Beispiel ist die Arbeitszeitdokumentation: In vielen Fällen werden die MLC-konformen Arbeits- und Ruhezeiten formell korrekt in die Tabellen eingetragen, die tatsächliche Arbeitsbelastung weicht aber davon ab. Insbesondere bei Hafen-intensiven Operationen, Ladungsarbeiten oder während Inspektionen kommt es regelmäßig zu Überschreitungen.
PSC-Inspektoren wissen das und haben ihre Prüfmethodik angepasst. Sie vergleichen die eingetragenen Ruhezeiten mit dem Decklogbuch, den Maschinenlogbuch-Einträgen und den Ladungsdokumenten. Wenn ein Officer um 03:00 Uhr einen Ladungsbetrieb dokumentiert hat, aber seine Ruhezeitentabelle eine ununterbrochene Ruhezeit von 22:00 bis 06:00 ausweist, ist die Diskrepanz offensichtlich.
Die operativen Auswirkungen gehen aber über die Arbeitszeitdokumentation hinaus. Die MLC-Amendments betreffen auch die Qualität der Unterbringung, den Zugang zu Kommunikationsmitteln (Internet, Telefon) und die Verpflegungsstandards. Für technische Manager bedeutet das, dass MLC-Compliance kein reines HR-Thema ist, sondern direkt in die Bordorganisation eingreift.
MLC requirements take effect in daily operations wherever documentation and practice diverge. The classic example is work-hour documentation: in many cases, MLC-compliant work and rest hours are formally entered correctly in the tables, yet actual workloads deviate. Particularly during port-intensive operations, cargo work or inspections, exceedances regularly occur.
PSC inspectors know this and have adapted their inspection methodology. They compare recorded rest hours with the deck logbook, engine logbook entries and cargo documents. When an officer has documented a cargo operation at 03:00 but their rest-hour table shows an uninterrupted rest period from 22:00 to 06:00, the discrepancy is obvious.
The operational impact extends beyond work-hour documentation, however. The MLC amendments also address accommodation quality, access to communication facilities (internet, telephone) and catering standards. For technical managers, this means MLC compliance is not a pure HR topic but directly intervenes in onboard organisation.
Ein MLC-Gap-Check auf drei Ebenen ist ratsam: Dokumente, Prozesse und Bordpraxis. Auf der Dokumentenebene geht es darum, ob das DMLC (Declaration of Maritime Labour Compliance) Teil I und II die aktuellen Amendments widerspiegelt, ob die SEA (Seafarer Employment Agreements) den neuen Anforderungen entsprechen und ob die Versicherungsnachweise für Repatriierung und Haftpflicht aktuell sind.
Auf der Prozessebene muss geprüft werden: Gibt es ein funktionierendes Beschwerdeverfahren an Bord, das tatsächlich genutzt wird und nicht nur auf dem Papier existiert? Werden Crew-Ablösungen so geplant, dass die maximale Dienstzeit nicht überschritten wird, auch bei unvorhergesehenen Verzögerungen? Gibt es ein System für die Erfassung und Meldung von Arbeitszeit-Überschreitungen?
Auf der Bordpraxis-Ebene -- und das ist die Ebene, die PSC am stärksten interessiert -- muss überprüft werden, ob die Unterbringung den Standards entspricht (Raumgröße, Belüftung, Beleuchtung, Zustand der Sanitäranlagen), ob die Verpflegung angemessen ist und ob die Besatzung tatsächlich Zugang zu den vorgesehenen Kommunikationsmitteln hat.
An MLC gap check on three levels is advisable: documents, processes and onboard reality. At the document level, this concerns whether the DMLC (Declaration of Maritime Labour Compliance) Parts I and II reflect the current amendments, whether SEAs (Seafarer Employment Agreements) meet the new requirements and whether insurance certificates for repatriation and liability are current.
At the process level, the following must be verified: is there a functioning complaints procedure on board that is actually used and does not merely exist on paper? Are crew reliefs planned so that maximum service periods are not exceeded, even with unforeseen delays? Is there a system for recording and reporting work-hour exceedances?
At the onboard practice level -- and this is the level PSC is most interested in -- it must be checked whether accommodation meets standards (room size, ventilation, lighting, condition of sanitary facilities), whether catering is adequate and whether the crew actually has access to the designated communication facilities.
Frühzeitige Anpassung reduziert PSC-Risiken und stärkt die Crewing-Qualität. MLC-Deficiencies bei PSC-Inspektionen haben direkte finanzielle Folgen: Detention kostet Liegezeit und Reputation, wiederholte Mängel führen zu einem höheren Risikoprofil im Hafenstaat-Informationssystem, was häufigere Inspektionen nach sich zieht. Im Paris MoU-Bereich werden Schiffe mit wiederholten MLC-Mängeln als Standard Risk oder High Risk eingestuft, was die Inspektionsfrequenz erhöht.
Darüber hinaus hat die MLC-Compliance einen direkten Einfluss auf die Rekrutierung. In einem zunehmend umkämpften Markt für qualifizierte Seeleute wählen erfahrene Officers und Engineers bevorzugt Reedereien mit nachweislich guten Arbeitsbedingungen. Ein Betreiber, der für schlechte MLC-Compliance bekannt ist, wird Schwierigkeiten haben, qualifiziertes Personal zu halten und zu rekrutieren.
Early adaptation reduces PSC risks and strengthens crewing quality. MLC deficiencies during PSC inspections carry direct financial consequences: detention costs idle time and reputation, repeated deficiencies lead to a higher risk profile in the port state information system, which triggers more frequent inspections. In the Paris MoU area, vessels with repeated MLC deficiencies are classified as Standard Risk or High Risk, increasing inspection frequency.
Furthermore, MLC compliance directly influences recruitment. In an increasingly competitive market for qualified seafarers, experienced officers and engineers preferentially choose companies with demonstrably good working conditions. An operator known for poor MLC compliance will struggle to retain and recruit qualified personnel.
Die MLC 2006 ist in fünf Titel gegliedert: Mindestanforderungen für die Arbeit auf Schiffen (Titel 1), Beschäftigungsbedingungen (Titel 2), Unterbringung, Freizeiteinrichtungen, Verpflegung (Titel 3), Gesundheitsschutz und Sozialschutz (Titel 4) und Einhaltung und Durchsetzung (Titel 5). Die 2025-Amendments greifen in mehrere Titel ein.
Im Bereich der Beschäftigungsbedingungen (Titel 2) werden die Anforderungen an die Heuerfortzahlung bei Krankheit und Verletzung präzisiert. Seeleute haben Anspruch auf Heuerfortzahlung für mindestens 16 Wochen ab dem Zeitpunkt der Erkrankung oder Verletzung. Die Amendments stellen klar, dass dies auch gilt, wenn das Besatzungsmitglied repatriiert wurde und die Behandlung an Land fortgesetzt wird.
Im Bereich Unterbringung (Titel 3) werden die Standards für Schlafräume, Messen und Sanitäreinrichtungen konkretisiert. Für Neubauten gelten bereits seit der ursprünglichen MLC strengere Maßvorgaben; die Amendments betonen nun, dass auch auf bestehenden Schiffen ein akzeptabler Standard aufrechterhalten werden muss. Verfallene Unterkünfte, defekte Sanitäranlagen oder unzureichende Belüftung sind keine tolerierbaren Zustände.
Im Bereich Gesundheitsschutz (Titel 4) wird der Zugang zu medizinischer Versorgung an Land als Recht der Seeleute verankert, nicht als Ermessensentscheidung des Betreibers. Das hat praktische Konsequenzen: Wenn ein Besatzungsmitglied medizinische Behandlung an Land benötigt, muss der Betreiber dies organisieren -- auch wenn es betrieblich unbequem ist.
The MLC 2006 is structured into five titles: minimum requirements for seafarers to work on ships (Title 1), conditions of employment (Title 2), accommodation, recreational facilities, food and catering (Title 3), health protection and social security (Title 4) and compliance and enforcement (Title 5). The 2025 amendments intervene in several titles.
In the area of employment conditions (Title 2), requirements for wage continuation during sickness and injury are specified. Seafarers are entitled to wage continuation for at least 16 weeks from the date of illness or injury. The amendments clarify that this also applies when the crew member has been repatriated and treatment continues ashore.
In the area of accommodation (Title 3), standards for sleeping rooms, mess rooms and sanitary facilities are made more concrete. Stricter dimensional requirements have applied to newbuilds since the original MLC; the amendments now emphasise that an acceptable standard must also be maintained on existing vessels. Deteriorated accommodation, defective sanitary facilities or inadequate ventilation are not tolerable conditions.
In the area of health protection (Title 4), access to medical care ashore is established as a right of seafarers, not a discretionary decision by the operator. This has practical consequences: when a crew member requires medical treatment ashore, the operator must organise this -- even when it is operationally inconvenient.
MLC-bezogene Deficiencies gehören weltweit zu den Top-5 der häufigsten PSC-Mängelkategorien. Die Paris MoU-Statistiken zeigen, dass Arbeits- und Ruhezeitverstöße, unzureichende Unterbringung und fehlende Beschwerdeverfahren regelmäßig beanstandet werden. In den Tokyo MoU-Häfen ist die Situation ähnlich.
Ein typisches PSC-Szenario: Der Inspektor betritt die Unterkunft eines Besatzungsmitglieds und findet einen defekten Lüfter, abblätternde Farbe und eine nicht funktionierende Dusche. Der Kapitän erklärt, die Reparatur sei für den nächsten Werftaufenthalt geplant. Der Inspektor stuft dies als MLC-Deficiency ein, weil die Unterbringung nicht den Mindeststandards entspricht. Wenn zusätzlich die Arbeitszeitdokumentation Diskrepanzen aufweist, kann der Inspektor eine detaillierte Inspektion (Expanded Inspection) anordnen, die deutlich mehr Zeit und Aufwand bedeutet.
Für Betreiber ist die Lektion klar: MLC-Compliance muss kontinuierlich gelebt werden, nicht nur für Audits vorbereitet. Die Bordleitung -- Kapitän und Chief Engineer -- muss sensibilisiert sein, dass MLC-relevante Zustände auch ohne Ankündigung geprüft werden können und dass die Verantwortung beim Management liegt, angemessene Ressourcen bereitzustellen.
MLC-related deficiencies are among the global top five most common PSC deficiency categories. Paris MoU statistics show that work and rest hour violations, inadequate accommodation and missing complaints procedures are regularly cited. The situation is similar in Tokyo MoU ports.
A typical PSC scenario: the inspector enters a crew member's accommodation and finds a defective ventilation fan, peeling paint and a non-functioning shower. The master explains that the repair is planned for the next drydocking. The inspector classifies this as an MLC deficiency because the accommodation does not meet minimum standards. If work-hour documentation additionally shows discrepancies, the inspector can order a detailed (expanded) inspection, which requires considerably more time and effort.
For operators, the lesson is clear: MLC compliance must be continuously lived, not merely prepared for audits. The onboard management -- master and Chief Engineer -- must be aware that MLC-relevant conditions can be inspected without prior notice and that the responsibility for providing adequate resources lies with the management.
Eine strukturierte MLC-Gap-Analyse sollte jährlich durchgeführt werden, idealerweise vor dem nächsten Flag State oder Class Audit. Die Analyse umfasst: Dokumentenprüfung (DMLC, SEAs, Versicherungen), Prozessprüfung (Ablösungsplanung, Beschwerdeverfahren, Arbeitszeiterfassung) und Bordbegehung (Unterbringung, Verpflegung, Kommunikation).
Das Ergebnis sollte ein priorisierter Maßnahmenplan sein: kritische Lücken sofort schließen, mittlere Lücken innerhalb von 90 Tagen, langfristige Verbesserungen in den nächsten Drydock oder Budgetzyklus einplanen. Der Plan muss dem Shore-Management vorgelegt werden, damit die notwendigen Ressourcen bereitgestellt werden.
A structured MLC gap analysis should be conducted annually, ideally before the next flag state or class audit. The analysis covers: document review (DMLC, SEAs, insurance), process review (relief planning, complaints procedure, work-hour recording) and onboard inspection (accommodation, catering, communication).
The result should be a prioritised action plan: close critical gaps immediately, address medium gaps within 90 days, plan long-term improvements for the next drydock or budget cycle. The plan must be presented to shore management so that the necessary resources are allocated.
Unverbindliches Erstgespräch – wir analysieren Ihre Situation und finden den besten Weg.Free initial consultation – we analyze your situation and find the best path forward.
Beratung anfragenRequest Consulting