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Vertragsartikel lesbar schreibenWriting Readable Contract Clauses

Von Joshua KantnerBy Joshua Kantner · April 2026 · OceanSphere Consulting

Warum Lesbarkeit wichtig istWhy readability matters

Wenn FuelEU-Regelungen sprachlich zu dicht sind sinkt ihr praktischer Wert.

When FuelEU provisions are linguistically too dense, their practical value diminishes.

Welche Struktur gut funktioniertWhich structure works well

Kernfrage, Zuweisung von Verantwortung, praktische Folgen.

Core question, allocation of responsibility, practical consequences.

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Warum Fachsprache erhalten bleiben mussWhy technical terminology must be preserved

Bestimmte Begriffe beschreiben Verantwortung und Datenpflichten präzise.

Certain terms describe responsibility and data obligations with precision.

Wie OceanSphere daraus Nutzen ziehtHow OceanSphere benefits from this

Komplexe Klauseln in saubere Betreiberlogik übersetzen.

Translating complex clauses into clear operational logic.

Technische Tiefenanalyse: Warum maritime Klauseln unleserlich werdenTechnical Deep-Dive: Why Maritime Clauses Become Unreadable

Die Unleserlichkeit maritimer Vertragsklauseln hat strukturelle Ursachen. FuelEU-, ETS- und CII-bezogene Klauseln müssen gleichzeitig mehrere regulatorische Rahmenwerke adressieren, die jeweils eigene Definitionen, Berechnungsmethoden und Fristen mitbringen. Eine einzige Klausel zur Kraftstoffkostenverteilung muss definieren, was „Kraftstoffkosten“ umfasst (Einkaufspreis, ETS-Zertifikate, FuelEU-Strafzahlungen, Biofuel-Aufschläge), wer die Kosten wann trägt, und wie Abweichungen vom vereinbarten Standard behandelt werden.

Das Resultat sind Klauseln, die mehrere Abstraktionsebenen verschachteln: Definition des Kraftstoffbegriffs, Berechnung der GHG-Intensität nach Anhang I der FuelEU-Verordnung, Ausnahmen für Hafenanläufe außerhalb des EU/EWR-Raums, Rückfallklauseln für den Fall, dass keine Well-to-Wake-Daten verfügbar sind. Jede Ebene ist für sich genommen logisch, aber die Gesamtstruktur überfordert den Leser, der kein Jurist ist.

Ein zweiter Faktor ist die Präzisions-Angst. Juristen, die maritime Klauseln entwerfen, fürchten zu Recht, dass Ambiguitäten zu Streit führen. Deshalb definieren sie jeden Begriff, schränken jede Aussage ein und verweisen auf andere Klauseln innerhalb desselben Vertrags. Das Ergebnis ist präzise, aber unlesbar – ein Text, den nur derjenige vollständig versteht, der ihn geschrieben hat.

Drittens fehlt in vielen Fällen die operative Perspektive beim Drafting. Wenn der Klauselentwurf ausschließlich zwischen Anwälten hin und her geht, ohne dass ein Superintendent oder Chief Engineer einbezogen wird, entstehen Texte, die betriebliche Realitäten ignorieren. Eine Klausel, die „tagesaktuelle Emissionsdaten“ fordert, klingt vernünftig, ist aber auf einem Schiff mit manuellem Reporting nicht umsetzbar.

The unreadability of maritime contract clauses has structural causes. FuelEU, ETS, and CII-related clauses must simultaneously address multiple regulatory frameworks, each bringing its own definitions, calculation methods, and deadlines. A single clause on fuel cost allocation must define what “fuel costs” encompasses (purchase price, ETS allowances, FuelEU penalty payments, biofuel surcharges), who bears the costs and when, and how deviations from the agreed standard are treated.

The result is clauses that nest multiple layers of abstraction: definition of the fuel concept, calculation of GHG intensity according to Annex I of the FuelEU Regulation, exceptions for port calls outside the EU/EEA, fallback provisions for cases where no well-to-wake data are available. Each layer is logical in isolation, but the overall structure overwhelms the reader who is not a lawyer.

A second factor is precision anxiety. Lawyers drafting maritime clauses rightly fear that ambiguities lead to disputes. They therefore define every term, qualify every statement, and cross-reference other clauses within the same contract. The result is precise but unreadable – a text that only the person who wrote it fully understands.

Third, in many cases the operational perspective is absent during drafting. When the clause draft passes exclusively between lawyers without involving a superintendent or chief engineer, texts emerge that ignore operational realities. A clause requiring “daily emission data” sounds reasonable but is undeliverable on a vessel with manual reporting.

Praktische Ansätze für bessere LesbarkeitPractical Approaches for Better Readability

Lesbarkeit lässt sich verbessern, ohne Präzision zu opfern. Der erste Ansatz ist die Trennung von Definition und Anwendung. Definitionen gehören in einen separaten Abschnitt am Anfang der Klausel oder des Vertrags, nicht mitten in den operativen Text. Wenn der Leser wissen will, wie die Kostenverteilung funktioniert, sollte er nicht erst durch drei Definitionsebenen navigieren müssen.

Der zweite Ansatz ist die Verwendung von Wenn-Dann-Strukturen. Anstatt alle Möglichkeiten in einem Satz zu verschachteln, werden sie in separate Szenarien aufgegliedert: „Wenn der Charterer den Kraftstoff bestellt: [Regelung A]. Wenn der Eigner den Kraftstoff bestellt: [Regelung B]. Wenn ein Dritter den Kraftstoff bestellt: [Regelung C].“ Jedes Szenario ist für sich lesbar.

Der dritte Ansatz ist die Ergänzung durch eine operative Zusammenfassung. Eine nicht-bindende Begleitnotiz, die die Klausel in Alltagssprache zusammenfasst, hilft dem technischen und kommerziellen Team, den Inhalt schnell zu erfassen. Diese Zusammenfassung hat keine Vertragskraft, reduziert aber Missverständnisse erheblich.

Readability can be improved without sacrificing precision. The first approach is the separation of definition and application. Definitions belong in a separate section at the start of the clause or contract, not embedded in the operative text. When the reader wants to understand how cost allocation works, they should not first have to navigate through three layers of definitions.

The second approach is the use of if-then structures. Instead of nesting all possibilities in a single sentence, they are broken into separate scenarios: “If the charterer orders fuel: [Provision A]. If the owner orders fuel: [Provision B]. If a third party orders fuel: [Provision C].” Each scenario is readable on its own.

The third approach is supplementing with an operative summary. A non-binding accompanying note that summarises the clause in everyday language helps the technical and commercial team grasp the content quickly. This summary has no contractual force but significantly reduces misunderstandings.

Fallkontext: Lesbarkeit als Compliance-FaktorCase Context: Readability as a Compliance Factor

Die Lesbarkeit einer Klausel ist kein akademisches Thema – sie hat direkte Compliance-Auswirkungen. Wenn der Chief Officer an Bord nicht versteht, welche Daten er wann an wen melden muss, unterbleibt die Meldung. Wenn der Bunkereinkäufer nicht versteht, welche Kraftstoffspezifikation die Klausel verlangt, bestellt er das Günstigste.

In einem dokumentierten Fall hatte eine Reederei eine FuelEU-Klausel übernommen, die technisch korrekt war, aber von keinem Mitarbeiter außerhalb der Rechtsabteilung verstanden wurde. Der Superintendent las die Klausel und stellte fest, dass er „irgendwie Daten liefern“ müsse, ohne zu wissen welche, in welchem Format und bis wann. Das Ergebnis waren unvollständige Meldungen, die der Verifier zurückwies.

Ein Gegenbeispiel: Eine andere Reederei begleitete ihre FuelEU-Klausel mit einem einseitigen Flowchart, das den Datenaustausch zwischen Eigner, Manager, Charterer und Verifier visuell darstellte. Jeder Beteiligte wusste auf einen Blick, was von ihm erwartet wurde. Die Compliance-Quote lag im ersten Jahr bei 100%.

The readability of a clause is not an academic matter – it has direct compliance implications. If the chief officer on board does not understand which data they must report, to whom, and by when, the reporting does not happen. If the bunker purchaser does not understand which fuel specification the clause requires, they order the cheapest option.

In a documented case, a shipping company had adopted a FuelEU clause that was technically correct but understood by no employee outside the legal department. The superintendent read the clause and concluded he needed to “provide data somehow” without knowing which data, in what format, or by when. The result was incomplete submissions that the verifier rejected.

A counter-example: another shipping company accompanied their FuelEU clause with a one-page flowchart visually depicting the data exchange between owner, manager, charterer, and verifier. Every participant knew at a glance what was expected of them. The compliance rate in the first year was 100%.

Entscheidungsrahmen: Präzision vs. VerständlichkeitDecision Framework: Precision vs. Comprehensibility

Der Zielkonflikt zwischen Präzision und Verständlichkeit lässt sich durch eine Zwei-Ebenen-Strategie auflösen. Die erste Ebene ist der Vertragstext selbst, der juristisch präzise sein muss – hier darf kein Kompromiss eingegangen werden. Die zweite Ebene ist das Begleitmaterial: operative Zusammenfassungen, Flowcharts, Szenarien-Tabellen und FAQ-Dokumente, die den Vertragstext für die verschiedenen Stakeholder aufbereiten.

Die Entscheidung, wie viel Begleitmaterial erstellt wird, hängt von der Komplexität der Klausel und der Größe der Organisation ab. Ein kleiner Eigner mit drei Schiffen und einem Superintendenten braucht möglicherweise nur eine einseitige Zusammenfassung. Eine große Reederei mit 200 Schiffen und mehreren Abteilungen braucht ein vollständiges Implementation-Kit mit Schulungsmaterial.

The tension between precision and comprehensibility can be resolved through a two-tier strategy. The first tier is the contract text itself, which must be legally precise – no compromise is permissible here. The second tier is the accompanying material: operative summaries, flowcharts, scenario tables, and FAQ documents that make the contract text accessible to the various stakeholders.

The decision on how much accompanying material to create depends on the complexity of the clause and the size of the organisation. A small owner with three vessels and one superintendent may need only a one-page summary. A large shipping company with 200 vessels and multiple departments needs a complete implementation kit with training material.

Kernpunkte auf einen BlickKey Takeaways

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Häufig gestellte FragenFAQ

Warum schwer lesbar?Why are they hard to read?
Zu viele Definitionen und Risiken gleichzeitig.Too many definitions and risks addressed simultaneously.
Heißt lesbar vereinfacht?Does readable mean simplified?
Nein. Gute Lesbarkeit erhält Präzision.No. Good readability preserves precision.
Für wen wichtig?Who benefits most?
Leser an der Schnittstelle von Legal, Commercial und Technik.Readers at the intersection of legal, commercial, and technical functions.

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