Übersetzen frühe Technikpfade in prüfbare Anforderungen und Notationen.
LR, ClassNK und DNV haben OCCS in Regelentwicklungen aufgegriffen.
Verraten viel über Machbarkeit und künftige Mindestanforderungen.
OCCS-Projekte früh mit Class denken.
Klassifikationsgesellschaften stehen bei Onboard Carbon Capture and Storage vor einer grundlegend neuen Aufgabe. Anders als bei etablierten Technologien wie Scrubber oder Ballastwasser-Behandlungssystemen existiert für OCCS kein international abgestimmtes Regelwerk. Die IMO hat bislang keinen verbindlichen Standard verabschiedet, was bedeutet, dass die Class Societies de facto als erste Regelgeber agieren.
DNV hat mit der Notation OCCS(Capture) einen ersten formalen Rahmen geschaffen. Diese Notation deckt das Einfangsystem ab, lässt aber die Speicherung und den Transfer des CO2 bewusst aus. Lloyd's Register arbeitet mit Guidance Notes, die einen risikobasierten Ansatz verfolgen — ähnlich der Behandlung neuartiger Brennstoffsysteme unter dem IGF-Code. ClassNK hat Joint Development Projects mit japanischen Reedereien und Technologielieferanten initiiert, um Betriebserfahrung parallel zur Regelentwicklung zu sammeln.
Die technischen Prüffelder umfassen Druckbehälter, Chemikalienlagerung (Amine, Sorbentien), Abwärmenutzung aus dem Abgasstrom, CO2-Zwischenspeicherung an Bord und den Transfer im Hafen. Jedes dieser Felder erfordert spezifische Werkstoffzulassungen, Sicherheitsbewertungen und Dokumentation. Besonders die Handhabung von Aminen — die in vielen OCCS-Systemen als Absorptionsmittel dienen — wirft Fragen zu Gesundheitsschutz, Lagerung und Entsorgung auf.
Für Betreiber bedeutet dies: ein OCCS-Projekt ohne frühzeitige Class-Einbindung riskiert erhebliche Verzögerungen. Die Genehmigungsverfahren sind noch nicht standardisiert, und jede Class Society bringt eigene Schwerpunkte und Zeitrahmen mit. Wer den Prozess kennt und früh den Dialog beginnt, gewinnt sechs bis zwölf Monate Vorsprung gegenüber späten Einsteigern.
Die Dokumentationsanforderungen für OCCS-Systeme gehen über das hinaus, was Betreiber von konventionellen Installationen kennen. Class Societies verlangen typischerweise eine umfassende Risikobewertung (HAZID/HAZOP), die alle Betriebszustände einschliesslich Notfällen und Wartungsszenarien abdeckt. Dazu kommen Materialzertifikate, Druckbehälterberechnungen nach anerkannten Normen und Nachweise zur elektrischen Sicherheit in explosionsgefährdeten Bereichen.
Ein häufig unterschätzter Aspekt ist die Schnittstelle zwischen dem OCCS-Lieferanten und der bestehenden Schiffsdokumentation. Das Safety Management System (SMS) muss um OCCS-spezifische Verfahren erweitert werden — von der täglichen Betriebsüberwachung bis zum Notfall-Shutdown. Class Societies prüfen nicht nur die Hardware, sondern auch ob das Managementsystem die neue Technologie adäquat abbildet.
Betreiber sollten zudem beachten, dass die Notation einer Class Society nicht automatisch von Port State Control anderer Flaggenstaaten anerkannt wird. Die regulatorische Landschaft ist noch fragmentiert, und eine proaktive Abstimmung mit Flaggenstaat und Hafenstaat kann spätere Betriebsunterbrechungen vermeiden.
DNV hat im Rahmen der Zusammenarbeit mit Seatrium (ehemals Sembcorp Marine) und dem Technologieanbieter Carbon Ridge die erste formale OCCS-Notation auf ein konkretes Schiffsprojekt angewendet. Dieser Pilotprozess zeigte, wie umfangreich der Genehmigungsaufwand tatsächlich ist — von der Grundlagenplanung bis zur Probefahrt vergingen deutlich mehr Monate als bei vergleichbaren Retrofit-Projekten ohne neuartige Technologie.
Gleichzeitig entstanden durch diesen Prozess wertvolle Präzedenzfälle. Die dabei entwickelten Checklisten, Prüfprotokolle und Risikomatrizen bilden eine Grundlage, von der nachfolgende Projekte profitieren können. Für Betreiber, die OCCS ernsthaft evaluieren, ist die Kenntnis dieser Pilotprojekte und ihrer Ergebnisse ein erheblicher Informationsvorsprung.
Die Einbindung sollte in drei Phasen erfolgen. Phase 1: Vor-Konsultation (Concept Stage) — Klärung, ob die gewählte Class Society überhaupt eine OCCS-Notation anbietet und welche Anforderungen gelten. Phase 2: Design Review — Einreichung der technischen Unterlagen für das spezifische System und Schiff. Phase 3: Begleitung während Bau und Inbetriebnahme.
Ein häufiger Fehler ist, Phase 1 zu überspringen und direkt mit dem Design Review zu beginnen. Dadurch werden Grundsatzfragen — etwa zur Akzeptanz bestimmter Sorbentien oder zur erforderlichen Redundanz — erst spät geklärt, was den gesamten Zeitplan gefährdet.
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