Kompetenzanforderungen und Verantwortungsgefühl ändern sich. Die Umstellung auf Methanol, LNG oder künftig Ammoniak verändert nicht nur den Maschinenraum, sondern auch das Anforderungsprofil der Besatzung. Ein Chief Engineer, der 20 Jahre lang HFO-betriebene Zweitakt-Motoren gefahren hat, muss bei einem Methanol-Dual-Fuel-Antrieb völlig neue Sicherheitsprotokolle verstehen: Inertisierung, Gasdetektion, Purge-Verfahren und die spezifischen Toxizitätsrisiken von Methanol.
Das erzeugt Unsicherheit. Und Unsicherheit ist einer der stärksten Treiber für Fluktuation. Wenn ein Seemann das Gefühl hat, dass er ein System bedienen muss, das er nicht vollständig versteht und für das er nicht ausreichend geschult wurde, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er beim nächsten Vertrag einen Arbeitgeber wählt, der konventionelle Schiffe betreibt.
Competency requirements and the sense of responsibility are changing. The transition to methanol, LNG or eventually ammonia changes not just the engine room but also the competency profile of the crew. A chief engineer who has operated HFO-fuelled two-stroke engines for 20 years must understand entirely new safety protocols for a methanol dual-fuel propulsion system: inertisation, gas detection, purge procedures and the specific toxicity risks of methanol.
This creates uncertainty. And uncertainty is one of the strongest drivers of turnover. When a seafarer feels he must operate a system he does not fully understand and for which he has not been adequately trained, the probability increases that at his next contract he will choose an employer operating conventional vessels.
Training, klare Verfahren und wahrgenommene Sicherheit. Die drei entscheidenden Faktoren für Crew-Bindung im Kontext alternativer Kraftstoffe sind: die Qualität des Trainings, die Klarheit der Betriebsverfahren und das subjektive Sicherheitsgefühl der Besatzung.
Beim Training geht es nicht nur um die formale STCW-Zertifizierung. Die IMO hat mit dem IGF Code und den zugehörigen Trainingsanforderungen einen Rahmen gesetzt, aber der Unterschied zwischen einem zweitägigen Classroom-Kurs und einem einwöchigen Simulator-Training mit praktischen Übungen auf einem realen Dual-Fuel-System ist erheblich. Betreiber, die in hochwertiges Training investieren, signalisieren ihren Besatzungen: Wir nehmen eure Sicherheit ernst.
Bei den Betriebsverfahren zeigt sich die Qualität daran, ob die Safety Management System-Dokumente tatsächlich die neuen Kraftstoffsysteme abbilden oder ob sie noch auf dem Stand der konventionellen Anlage sind. Ein Second Engineer, der vor einem Methanol-Leck steht und im SMS nur generische Notfallverfahren findet, verliert das Vertrauen in seinen Arbeitgeber.
Training, clear procedures and perceived safety. The three decisive factors for crew retention in the context of alternative fuels are: the quality of training, the clarity of operational procedures and the subjective sense of safety amongst the crew.
Training is not merely about formal STCW certification. The IMO has set a framework with the IGF Code and associated training requirements, but the difference between a two-day classroom course and a week-long simulator training with practical exercises on an actual dual-fuel system is considerable. Operators who invest in high-quality training signal to their crews: we take your safety seriously.
The quality of operational procedures becomes apparent in whether the Safety Management System documents actually reflect the new fuel systems or whether they still describe the conventional plant. A second engineer who faces a methanol leak and finds only generic emergency procedures in the SMS loses confidence in his employer.
Der IGF Code (International Code of Safety for Ships Using Gases or Other Low-Flashpoint Fuels) definiert seit 2017 den Rahmen für die Sicherheitsanforderungen an Schiffe mit alternativen Kraftstoffen. Die zugehörige STCW-Regulation V/3 verlangt für Besatzungsmitglieder auf IGF-Code-Schiffen eine spezifische Grundausbildung und für Schlüsselpositionen eine erweiterte Ausbildung.
In der Praxis gibt es dabei mehrere Probleme. Erstens: Die Trainingskapazitäten sind begrenzt. Es gibt weltweit nur eine überschaubare Anzahl von Trainingseinrichtungen, die praxisnahe Schulungen an realen Dual-Fuel-Systemen anbieten. Die meisten Kurse sind Classroom-basiert und vermitteln theoretisches Wissen, aber keine Handlungssicherheit.
Zweitens: Die Technologien unterscheiden sich erheblich. Ein LNG-Dual-Fuel-System auf einem Wärtsilä 50DF funktioniert völlig anders als ein MAN ME-LGIM Methanol-System. Eine generische IGF-Schulung deckt nicht die spezifischen Verfahren des jeweiligen Antriebssystems ab. Betreiber müssen also zusätzlich zum formalen Training OEM-spezifische Schulungen organisieren.
Drittens: Bei Ammoniak stehen wir noch am Anfang. Die Toxizität von Ammoniak erfordert ein völlig anderes Sicherheitskonzept als LNG oder Methanol. Persönliche Schutzausrüstung, Gasdetektionssysteme und Notfallverfahren müssen spezifisch auf die Eigenschaften von Ammoniak ausgelegt sein. Die Ausbildungsstandards dafür werden derzeit noch entwickelt.
Der Arbeitsmarkt reagiert bereits. Manning-Agenturen berichten, dass Seeleute mit IGF-Zertifizierung und praktischer Dual-Fuel-Erfahrung höhere Gehälter fordern können. Das verschiebt die Kostenkalkulation für Betreiber und macht Retention noch wichtiger, denn jeder ausgebildete Ingenieur, der das Unternehmen verlässt, muss teuer ersetzt werden.
The IGF Code (International Code of Safety for Ships Using Gases or Other Low-Flashpoint Fuels) has defined the framework for safety requirements on vessels with alternative fuels since 2017. The associated STCW Regulation V/3 requires a specific basic training for crew members on IGF Code ships and advanced training for key positions.
In practice, several problems arise. First: training capacity is limited. There is only a modest number of training facilities worldwide that offer practical instruction on actual dual-fuel systems. Most courses are classroom-based and convey theoretical knowledge but not operational confidence.
Second: the technologies differ considerably. An LNG dual-fuel system on a Wärtsilä 50DF operates entirely differently from a MAN ME-LGIM methanol system. A generic IGF training course does not cover the specific procedures of the respective propulsion system. Operators must therefore organise OEM-specific training in addition to the formal certification.
Third: with ammonia, we are still at the beginning. The toxicity of ammonia requires an entirely different safety concept compared to LNG or methanol. Personal protective equipment, gas detection systems and emergency procedures must be specifically designed for ammonia's properties. The training standards for this are still being developed.
The labour market is already responding. Manning agencies report that seafarers with IGF certification and practical dual-fuel experience can command higher salaries. This shifts the cost calculation for operators and makes retention even more important, as every trained engineer who leaves the company must be expensively replaced.
Die Kosten eines Personalverlusts im Kontext alternativer Kraftstoffe gehen über die normalen Crewwechsel-Kosten hinaus. Neben den üblichen 3.000 bis 12.000 USD für Flüge und Agentengebühren kommen die spezifischen Trainingskosten hinzu. Ein IGF Advanced Training kostet zwischen 2.000 und 5.000 USD pro Person. OEM-spezifische Schulungen für ein bestimmtes Dual-Fuel-System können weitere 3.000 bis 8.000 USD kosten.
Dazu kommt der Zeitfaktor. Ein neuer Chief Engineer auf einem Methanol-Schiff braucht mindestens zwei bis drei Monate, um die spezifischen Systeme und Verfahren an Bord vollständig zu beherrschen. In dieser Zeit ist die operative Effektivität geringer, das Fehlerrisiko höher und die Belastung für den Rest der Maschinenbesatzung steigt.
Betreiber, die ihre Retention-Strategie frühzeitig an die Energiewende anpassen, haben einen messbaren Wettbewerbsvorteil. Sie bauen Kompetenz im Unternehmen auf, statt sie ständig neu einzukaufen.
The cost of losing personnel in the context of alternative fuels exceeds normal crew change costs. In addition to the usual USD 3,000 to 12,000 for flights and agency fees, specific training costs must be added. An IGF Advanced Training costs between USD 2,000 and 5,000 per person. OEM-specific training for a particular dual-fuel system can add a further USD 3,000 to 8,000.
Then there is the time factor. A new chief engineer on a methanol vessel needs at least two to three months to fully master the specific systems and procedures on board. During this period, operational effectiveness is lower, error risk is higher and the burden on the rest of the engine room crew increases.
Operators who adapt their retention strategy to the energy transition early gain a measurable competitive advantage. They build competency within the organisation rather than constantly purchasing it anew.
Maersk hat mit der Bestellung von Methanol-Dual-Fuel-Containerschiffen ab 2021 eine Vorreiterrolle eingenommen. Was dabei oft übersehen wird: Parallel zur Schiffsbestellung musste das Unternehmen ein umfassendes Crew-Training-Programm aufbauen. Das umfasste nicht nur die formalen IGF-Zertifizierungen, sondern auch praxisbezogene Schulungen an den spezifischen MAN B&W ME-LGIM Motoren und den zugehörigen Kraftstoffsystemen.
Stena Lines fuhr bereits seit 2015 die Stena Germanica mit Methanol-Antrieb. Die Erfahrungen zeigten, dass die anfängliche Skepsis der Besatzung nach sechs bis zwölf Monaten praktischer Erfahrung in Routine überging – vorausgesetzt, das Training war ausreichend und die Verfahren waren klar dokumentiert.
Diese Beispiele illustrieren: Retention im Kontext alternativer Kraftstoffe ist kein weiches Thema. Es ist eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit, die über den Erfolg oder Misserfolg der Energiewende im Schiffsbetrieb entscheidet.
Maersk took a pioneering role with its orders for methanol dual-fuel container vessels from 2021 onwards. What is often overlooked: in parallel with the vessel orders, the company had to build a comprehensive crew training programme. This included not only the formal IGF certifications but also practical training on the specific MAN B&W ME-LGIM engines and associated fuel systems.
Stena Line had already been operating the Stena Germanica on methanol propulsion since 2015. Experience showed that initial crew scepticism transitioned to routine after six to twelve months of practical experience – provided the training was sufficient and procedures were clearly documented.
These examples illustrate: retention in the context of alternative fuels is not a soft topic. It is a business necessity that determines the success or failure of the energy transition in vessel operations.
Betreiber sollten ihre Retention-Strategie anhand von vier Fragen prüfen: Erstens, deckt das aktuelle Trainingsprogramm die spezifischen Systeme der Flotte ab oder nur die generischen IGF-Anforderungen? Zweitens, sind die SMS-Dokumente an die neuen Kraftstoffsysteme angepasst? Drittens, gibt es ein strukturiertes Feedback-System, das Unsicherheiten der Besatzung frühzeitig erfasst? Viertens, sind die Gehälter und Vertragskonditionen an den Marktwert von Dual-Fuel-qualifiziertem Personal angepasst?
Wer alle vier Fragen mit Ja beantworten kann, hat eine belastbare Grundlage. Wer bei einer oder mehrerer Nein sagen muss, hat konkreten Handlungsbedarf.
Operators should evaluate their retention strategy against four questions: first, does the current training programme cover the specific systems of the fleet or only the generic IGF requirements? Second, have the SMS documents been adapted to the new fuel systems? Third, is there a structured feedback system that captures crew uncertainties early? Fourth, are salaries and contract conditions adjusted to the market value of dual-fuel-qualified personnel?
If all four can be answered with yes, the foundation is solid. If one or more must be answered with no, there is a concrete need for action.
Technik und HSQE wirken direkt auf Beherrschbarkeit neuer Systeme. Wenn die technische Abteilung an Land entscheidet, welches Dual-Fuel-System bestellt wird, trifft sie gleichzeitig eine Retention-Entscheidung. Ein System, das komplexer ist als nötig, erhöht die Schulungsanforderungen und das Fehlerrisiko. HSQE-Abteilungen, die Sicherheitsverfahren für neue Kraftstoffe entwickeln, bestimmen, wie sicher sich die Besatzung im Umgang mit dem System fühlt.
Technical departments and HSQE directly affect the manageability of new systems. When the shore-based technical department decides which dual-fuel system to order, it simultaneously makes a retention decision. A system that is more complex than necessary increases training requirements and error risk. HSQE departments that develop safety procedures for new fuels determine how safe the crew feels when operating the system.
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