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Digitale Reife in der Schifffahrt messenMeasuring Digital Maturity in Shipping

Von Joshua KantnerBy Joshua Kantner · April 2026 · OceanSphere Consulting

Warum digitale Reife mehr ist als SoftwareeinsatzWhy Digital Maturity Is More Than Software Deployment

Eine Flotte ist nicht digital reif, nur weil sie viele Tools parallel nutzt. Entscheidend ist ob Daten konsistent fließen und Werkzeuge Entscheidungen verbessern.

A fleet is not digitally mature simply because it uses many tools in parallel. What matters is whether data flows consistently and tools improve decision-making.

Welche Dimensionen sinnvoll bewertet werdenWhich Dimensions Should Be Assessed

Datenqualität, Systemintegration, operative Nutzung, Governance und Veränderungsfähigkeit.

Data quality, system integration, operational usage, governance and adaptability.

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Wie eine realistische Bewertung aufgebaut wirdHow a Realistic Assessment Is Structured

Beginnt mit konkreten Prozessketten, nicht mit Benchmark-Folien.

It starts with concrete process chains, not benchmark slides.

Was Betreiber aus einer Reifeanalyse ableiten solltenWhat Operators Should Derive from a Maturity Analysis

Belastbare Priorisierung: Stammdaten, Rollen oder Schnittstellen zuerst.

Robust prioritisation: master data, roles or interfaces first.

Technische Vertiefung: Die fünf Dimensionen digitaler ReifeTechnical Deep-Dive: The Five Dimensions of Digital Maturity

Ein brauchbares Reifegradmodell für maritime Betreiber umfasst fünf Dimensionen, die unabhängig voneinander bewertet werden müssen. Die erste Dimension ist die Datenqualität: Sind Stammdaten konsistent? Werden Running Hours, Equipment-IDs und Ersatzteilreferenzen einheitlich gepflegt? Diese Dimension ist das Fundament – ohne sie bleiben alle weiteren Schritte fragil.

Die zweite Dimension ist die Systemintegration: Wie gut kommunizieren die vorhandenen Systeme miteinander? Können Daten aus dem PMS automatisch in das Einkaufssystem oder das Reporting fließen, oder gibt es Medienbrüche, bei denen Informationen manuell übertragen werden? In vielen Flotten existieren drei bis fünf Systeme parallel, die nicht oder nur rudimentär verbunden sind.

Die dritte Dimension ist die operative Nutzung: Werden die digitalen Werkzeuge im Tagesgeschäft tatsächlich eingesetzt? Oder existieren sie formal, während die eigentlichen Entscheidungen auf Basis von Excel-Tabellen, E-Mails oder persönlicher Erfahrung getroffen werden? Die Nutzungsrate ist einer der ehrlichsten Indikatoren für digitale Reife.

Die vierte Dimension ist die Governance: Gibt es klare Verantwortlichkeiten für Datenqualität, Systemänderungen und Nutzerschulungen? Existieren definierte Prozesse für die Einführung neuer Tools oder die Außerbetriebnahme alter? Governance ist der organisatorische Rahmen, der die anderen Dimensionen zusammenhält.

Die fünfte Dimension ist die Veränderungsfähigkeit: Kann die Organisation neue Anforderungen – etwa regulatorische Änderungen wie CII oder EU ETS – innerhalb eines vertretbaren Zeitraums in ihre digitale Infrastruktur integrieren? Oder erfordert jede neue Anforderung ein Sonderprojekt mit externen Beratern?

A useful maturity model for maritime operators comprises five dimensions that must be assessed independently. The first dimension is data quality: are master data consistent? Are running hours, equipment IDs and spare part references uniformly maintained? This dimension is the foundation – without it, all further steps remain fragile.

The second dimension is system integration: how well do the existing systems communicate with one another? Can data from the PMS flow automatically into the procurement system or reporting, or are there media breaks where information is transferred manually? In many fleets, three to five systems exist in parallel with no or only rudimentary connections.

The third dimension is operational usage: are digital tools actually employed in daily operations? Or do they exist formally whilst actual decisions are made on the basis of spreadsheets, emails or personal experience? Usage rate is one of the most honest indicators of digital maturity.

The fourth dimension is governance: are there clear responsibilities for data quality, system changes and user training? Do defined processes exist for introducing new tools or decommissioning old ones? Governance is the organisational framework that holds the other dimensions together.

The fifth dimension is adaptability: can the organisation integrate new requirements – such as regulatory changes like CII or EU ETS – into its digital infrastructure within a reasonable timeframe? Or does every new requirement necessitate a special project with external consultants?

Praktische Auswirkungen: Warum Self-Assessments scheiternPractical Implications: Why Self-Assessments Fail

Viele Betreiber versuchen, ihre digitale Reife intern zu bewerten. Das ist grundsätzlich sinnvoll, scheitert aber häufig an zwei Faktoren: Selbstüberschätzung und fehlender Vergleichsmaßstab. Die IT-Abteilung bewertet die Systemlandschaft als gut, weil alles läuft. Die operative Seite empfindet dieselbe Landschaft als unzureichend, weil die Daten nicht stimmen.

Ein realistisches Assessment muss beide Perspektiven zusammenbringen. Es muss Fragen stellen wie: Wie viel Prozent der Equipment-Einträge im PMS sind vollständig und aktuell? Wie oft werden Daten zwischen Bord und Land manuell korrigiert? Wie viele Entscheidungen pro Woche basieren auf Daten aus dem offiziellen System versus inoffiziellen Quellen?

Der Vergleichsmaßstab ist ebenfalls wichtig. Digitale Reife ist relativ – nicht jeder Betreiber braucht denselben Reifegrad. Ein Feeder-Betreiber mit fünf Schiffen hat andere Anforderungen als eine Tankerreederei mit vierzig Schiffen und komplexen Compliance-Pflichten. Der Maßstab muss zum Geschäftsmodell passen.

Was ein Assessment auf jeden Fall liefern sollte: eine ehrliche Bestandsaufnahme der Ist-Situation, eine Priorisierung der nächsten Schritte und eine realistische Einschätzung des Aufwands. Glossar-reiche Reifegrad-Folien ohne operativen Bezug sind wertlos.

Many operators attempt to assess their digital maturity internally. This is sensible in principle but frequently fails due to two factors: overestimation and a missing benchmark. The IT department rates the system landscape as good because everything runs. The operational side perceives the same landscape as inadequate because the data is wrong.

A realistic assessment must bring both perspectives together. It must ask questions such as: what percentage of equipment entries in the PMS are complete and current? How often are data between vessel and shore manually corrected? How many decisions per week are based on data from the official system versus unofficial sources?

The benchmark matters too. Digital maturity is relative – not every operator needs the same level. A feeder operator with five vessels has different requirements than a tanker company with forty ships and complex compliance obligations. The benchmark must fit the business model.

What an assessment should deliver in any case: an honest stocktake of the current situation, a prioritisation of next steps and a realistic estimate of effort. Glossary-rich maturity slides without operational relevance are worthless.

Branchenkontext: Wo die maritime Industrie stehtCase Context: Where the Maritime Industry Stands

Im Vergleich zu Luftfahrt und Automobilindustrie liegt die Schifffahrt bei der digitalen Reife zurück – das ist kein Geheimnis. Die Gründe sind bekannt: begrenzte Konnektivität, heterogene Flotten, wechselnde Besatzungen und eine konservative Investitionskultur.

Aber innerhalb der Schifffahrt gibt es erhebliche Unterschiede. Große Containerreedereien und spezialisierte Offshore-Betreiber haben in den letzten Jahren massiv investiert und arbeiten mit integrierten Plattformen, standardisierten Prozessen und dedizierten Digitalisierungsteams. Am anderen Ende des Spektrums stehen Tramp-Reedereien und kleine Bulker-Betreiber, die noch mit papierbasierter Dokumentation und isolierten Systemen arbeiten.

Interessant ist die Mittelgruppe: Betreiber mit zehn bis dreissig Schiffen, die einzelne digitale Tools eingeführt haben, aber keine übergreifende Strategie verfolgen. Für diese Gruppe ist eine Reifeanalyse besonders wertvoll, weil sie aufzeigt, wo die vorhandenen Investitionen den größten Hebel haben – und wo sie ins Leere laufen.

Compared with aviation and the automotive industry, shipping lags behind in digital maturity – this is no secret. The reasons are well known: limited connectivity, heterogeneous fleets, rotating crews and a conservative investment culture.

But within shipping, there are substantial differences. Large container lines and specialised offshore operators have invested heavily in recent years and work with integrated platforms, standardised processes and dedicated digitalisation teams. At the other end of the spectrum are tramp operators and small bulker companies still working with paper-based documentation and isolated systems.

The middle group is particularly interesting: operators with ten to thirty vessels who have introduced individual digital tools but pursue no overarching strategy. For this group, a maturity analysis is especially valuable because it reveals where existing investments deliver the greatest leverage – and where they are falling flat.

Entscheidungsrahmen: Reifegrad-Analyse richtig einsetzenDecision Framework: Using Maturity Analysis Correctly

Eine Reifeanalyse ist kein Selbstzweck. Sie muss in eine Handlung münden. Drei Regeln für den sinnvollen Einsatz: Erstens, die Analyse auf konkrete Prozessketten fokussieren – nicht auf die gesamte Organisation. Eine Wartungsprozesskette von der Schadensmeldung bis zur Ersatzteillieferung ist ein besserer Analysegegenstand als die digitale Reife des gesamten Unternehmens.

Zweitens, die Ergebnisse in maximal drei Handlungsfelder übersetzen. Wer zehn Empfehlungen gleichzeitig umsetzen will, setzt keine davon um. Drittens, den Reifegrad regelmäßig überprüfen – etwa jährlich. Digitale Reife ist kein Zustand, sondern ein Prozess.

Die häufigsten Ergebnisse in der Praxis: Stammdatenqualität als erstes Handlungsfeld, gefolgt von Schnittstellenbereinigung zwischen PMS und Einkauf, gefolgt von klarer Rollendefinition für operative Eigentümerschaft. Technologie steht selten an erster Stelle – Organisation und Daten kommen zuerst.

A maturity analysis is not an end in itself. It must lead to action. Three rules for effective use: first, focus the analysis on specific process chains – not the entire organisation. A maintenance process chain from damage report through to spare part delivery is a better subject of analysis than the digital maturity of the whole company.

Second, translate the results into a maximum of three action areas. Attempting to implement ten recommendations simultaneously means implementing none. Third, review the maturity level regularly – annually, for instance. Digital maturity is not a state but a process.

The most common findings in practice: master data quality as the first action area, followed by interface clean-up between PMS and procurement, followed by clear role definitions for operational ownership. Technology rarely comes first – organisation and data take priority.

KernaussagenKey Takeaways

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Häufig gestellte FragenFAQ

Kann man digitale Reife mit einer Kennzahl messen?Can digital maturity be measured with a single metric?
Nur eingeschränkt. Eine Zahl gibt Orientierung, ersetzt keine Bewertung von Daten und Prozessen.Only to a limited extent. A single figure provides orientation but cannot replace an assessment of data and processes.
Woran erkennt man unreife Prozesse?How do you recognise immature processes?
Medienbrüche und Entscheidungen die trotz vieler Systeme per Excel laufen.Media breaks and decisions that still run via spreadsheets despite numerous systems.
Warum für Superintendenten relevant?Why is this relevant for superintendents?
Weil digitale Reife bestimmt ob Überwachung und Wartung im Alltag funktionieren.Because digital maturity determines whether monitoring and maintenance actually work in daily operations.

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