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Orderbook-Zahlen: Warum sie täuschenOrderbook Numbers: Why They Can Mislead

Von Joshua KantnerBy Joshua Kantner · April 2026 · OceanSphere Consulting

Warum Rohzahlen oft in die Irre führenWhy Raw Numbers Often Mislead

Eine hohe Zahl kann Clusterbildung in wenigen Segmenten oder Konzernen bedeuten.

A high number can mean clustering within a few segments or corporate groups.

Welche Kontexte immer mitgelesen werden müssenWhich Context Must Always Be Considered

Segment, Kraftstofftiefe, Lieferkette, Einsatzprofil und zeitlicher Horizont.

Segment, fuel depth, supply chain, operational profile and time horizon.

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Warum Marketing und Marktbeobachtung auseinanderlaufenWhy Marketing and Market Observation Diverge

OEMs, Reeder und Analysten nutzen Daten aus unterschiedlichen Interessenlagen.

OEMs, shipowners and analysts use data driven by different interests.

Wie Betreiber Daten sinnvoll nutzenHow Operators Can Use Data Effectively

Orderbooks als Referenzrahmen, nicht als Entscheidungsvorlage.

Treat orderbooks as a reference framework, not as a decision template.

Technische Tiefenanalyse: Was hinter den Zahlen stecktTechnical Deep-Dive: What Lies Behind the Numbers

Orderbook-Zahlen werden in der Regel als Anzahl bestellter Schiffe mit alternativen Kraftstoffen veröffentlicht, häufig mit dem Zusatz des prozentualen Anteils an der Gesamtbestellmenge. Die Aussagekraft dieser Zahlen ist jedoch begrenzt, wenn man sie nicht in ihren technischen und kommerziellen Kontext einordnet.

Der erste Verzerrungsfaktor ist die Definition von alternativem Kraftstoff. In vielen Statistiken werden LNG-fähige Schiffe als alternative Kraftstoffbestellungen gezählt. LNG ist jedoch ein fossiler Kraftstoff mit einer CO2-Reduktion von etwa 20 bis 25 Prozent gegenüber HFO. Methanschlupf bei der Verbrennung in Viertakt-Otto-Motoren kann den Treibhausgasvorteil sogar eliminieren. Wenn die Hälfte der alternativen Kraftstoffbestellungen LNG-fähig sind, sagt die Gesamtzahl wenig über den tatsächlichen Dekarbonisierungsfortschritt.

Der zweite Verzerrungsfaktor ist die Größenverteilung. Zehn 24.000-TEU-Ultra-Large-Container-Vessels (ULCV) repräsentieren eine völlig andere Tonnagekapazität als zehn 1.800-TEU-Feeder. Beide zählen in der Statistik als zehn Einheiten. Die Tonnagegewichtung ergibt ein ganz anderes Bild: Die zehn ULCV tragen mehr als das Zehnfache der Kapazität der zehn Feeder. Bestellstatistiken ohne Tonnagebereinigung verzerren die Wahrnehmung systematisch zugunsten von Segmenten mit vielen kleineren Einheiten.

Der dritte Faktor ist die Konzernzugehörigkeit. Wenn ein einzelner Konzern wie Maersk, CMA CGM oder MSC 40 Methanol-fähige Containerschiffe bestellt, treibt das die Gesamtzahl massiv nach oben, repräsentiert aber die Entscheidung eines einzigen Akteurs. Die Zahl suggeriert eine breite Marktbewegung, die tatsächlich eine konzentrierte Konzernstrategie widerspiegelt.

Der vierte Faktor ist die Fuel-Depth: Viele als Dual-Fuel bestellte Schiffe sind in der Praxis auf konventionellen Kraftstoff als Hauptbrennstoff angewiesen, weil die Bunkerinfrastruktur für den alternativen Kraftstoff noch nicht ausreicht. Ein LNG-Dual-Fuel-Schiff, das 90 Prozent seiner Betriebszeit auf VLSFO läuft, ist in der Emissionsbilanz kaum besser als ein konventionelles Schiff, erscheint aber in der Statistik als alternative Kraftstoffbestellung.

Der fünfte Faktor sind Stornierungen und Optionen. Viele Bestellungen enthalten Optionen für weitere Schiffe, die in den Statistiken manchmal als feste Bestellungen gezählt werden. Stornierungen, insbesondere in wirtschaftlichen Abschwungphasen, reduzieren die tatsächliche Liefermenge, werden aber oft erst mit Verzögerung aus den Statistiken entfernt.

Orderbook figures are typically published as the number of vessels ordered with alternative fuels, often accompanied by their percentage share of total orders. The informational value of these numbers is limited, however, unless they are placed in their technical and commercial context.

The first distortion factor is the definition of alternative fuel. In many statistics, LNG-capable vessels are counted as alternative fuel orders. However, LNG is a fossil fuel with a CO2 reduction of approximately 20 to 25 per cent compared to HFO. Methane slip during combustion in four-stroke Otto-cycle engines can even eliminate the greenhouse gas advantage. If half of alternative fuel orders are LNG-capable, the total figure says little about actual decarbonisation progress.

The second distortion factor is size distribution. Ten 24,000-TEU Ultra Large Container Vessels (ULCV) represent an entirely different tonnage capacity than ten 1,800-TEU feeders. Both count as ten units in the statistics. The tonnage-weighted view yields a completely different picture: the ten ULCVs carry more than ten times the capacity of the ten feeders. Ordering statistics without tonnage adjustment systematically distort perception in favour of segments with many smaller units.

The third factor is corporate concentration. When a single group such as Maersk, CMA CGM or MSC orders 40 methanol-capable container vessels, this massively drives the total number upward but represents the decision of a single actor. The figure suggests a broad market movement that actually reflects a concentrated corporate strategy.

The fourth factor is fuel depth: many vessels ordered as dual-fuel rely in practice on conventional fuel as their primary fuel because the bunkering infrastructure for the alternative fuel is not yet sufficient. An LNG dual-fuel vessel running 90 per cent of its operational time on VLSFO is barely better in its emissions profile than a conventional vessel, yet appears in the statistics as an alternative fuel order.

The fifth factor is cancellations and options. Many orders include options for additional vessels that are sometimes counted as firm orders in the statistics. Cancellations, particularly during economic downturns, reduce actual delivery volumes but are often removed from statistics only with a delay.

Praktische Auswirkungen: Wie Fehlinterpretation zu falschen Entscheidungen führtPractical Implications: How Misinterpretation Leads to Wrong Decisions

Wenn ein Flottenbetreiber die Orderbook-Zahlen unkritisch liest, kann er zu dem Schluss kommen, dass der Markt sich schnell bewegt und er dringend nachziehen muss. Diese Panikreaktion führt zu übereilten Bestellungen, oft bei der nächstbesten Werft ohne ausreichende technische Prüfung.

Umgekehrt kann die gleiche Zahl zu falscher Beruhigung führen. Wenn jemand liest, dass nur 15 Prozent der Neubestellungen alternative Kraftstoffe betreffen, könnte er folgern, dass die Mehrheit des Marktes konventionell weitermacht und kein Handlungsbedarf besteht. Diese Lesart ignoriert die Segmentkonzentration: In einzelnen Segmenten wie Containern oder Fähren kann der Anteil bei 50 bis 70 Prozent liegen.

Analytische Berichte von Brokern, Klassegesellschaften und Beratungshäusern verwenden Orderbook-Daten in unterschiedlicher Aufbereitung. Manche bereinigen um LNG, manche nicht. Manche gewichten nach Tonnage, manche zählen nur Einheiten. Manche schließen Optionen ein, manche nicht. Das Ergebnis: Drei verschiedene Berichte über denselben Zeitraum können zu drei verschiedenen Schlussfolgerungen kommen.

Für technische Manager bedeutet das: Jede Orderbook-Zahl muss hinterfragt werden. Welche Quelle? Welche Definition? Welche Segmentauflösung? Welche Tonnagebereinigung? Nur wenn diese Fragen beantwortet sind, hat die Zahl einen Informationswert.

If a fleet operator reads the orderbook figures uncritically, they may conclude that the market is moving quickly and they urgently need to follow. This panic reaction leads to hasty orders, often at the next available yard without sufficient technical scrutiny.

Conversely, the same figure can lead to false reassurance. If someone reads that only 15 per cent of new orders involve alternative fuels, they might conclude that the majority of the market is continuing conventionally and there is no need for action. This reading ignores segment concentration: in individual segments such as containers or ferries, the share can be 50 to 70 per cent.

Analytical reports from brokers, classification societies and consultancies use orderbook data in varying formats. Some adjust for LNG, some do not. Some weight by tonnage, some count only units. Some include options, some do not. The result: three different reports covering the same period can reach three different conclusions.

For technical managers, this means: every orderbook figure must be questioned. Which source? Which definition? Which segment resolution? Which tonnage adjustment? Only when these questions are answered does the figure carry informational value.

Fallkontext: Wenn Zahlen Strategien verzerrenCase Context: When Numbers Distort Strategy

Ein europäischer Bulker-Betreiber las Anfang 2025 einen Brokerbericht, der 45 Prozent der globalen Neubestellungen als alternative Kraftstoffbestellungen auswies. Die interne Folgerung: Der Markt bewegt sich rasant, und die eigene Flotte konventioneller Kamsarmax-Bulker wird bald nicht mehr wettbewerbsfähig sein.

Eine tiefergehende Analyse ergab: Von den 45 Prozent waren 60 Prozent LNG-Bestellungen im Containersegment, konzentriert auf drei Großreedereien. Im Bulker-Segment lag der tatsächliche Anteil alternativer Kraftstoffe bei unter fünf Prozent. Die Bunkerinfrastruktur auf den Hauptrouten des Betreibers (Brasilien, Westaustralien, Indonesien) war praktisch nicht vorhanden.

Die korrigierte Strategie sah anders aus: Keine Panikbestellungen, sondern gezielte Effizienz-Upgrades für die bestehende Flotte und Fuel-Ready-Motoren für die nächsten geplanten Neubauten in drei bis vier Jahren, wenn die Infrastruktur voraussichtlich weiter fortgeschritten sein wird.

A European bulker operator read a broker report in early 2025 that listed 45 per cent of global new orders as alternative fuel orders. The internal conclusion: the market is moving rapidly and their own fleet of conventional Kamsarmax bulkers will soon no longer be competitive.

A deeper analysis revealed: of the 45 per cent, 60 per cent were LNG orders in the container segment, concentrated on three major shipping groups. In the bulker segment, the actual share of alternative fuels was below five per cent. Bunkering infrastructure on the operator's main routes (Brazil, Western Australia, Indonesia) was practically non-existent.

The corrected strategy looked different: no panic orders, but targeted efficiency upgrades for the existing fleet and fuel-ready engines for the next planned newbuilds in three to four years, when infrastructure is expected to have advanced further.

Entscheidungsrahmen: Orderbook-Daten richtig lesenDecision Framework: Reading Orderbook Data Correctly

Fünf Prüfschritte für jede Orderbook-Analyse. Erstens: Segmentauflösung. Wie sieht die Zahl im eigenen Segment aus, nicht im Gesamtmarkt? Zweitens: Kraftstoffdefinition. Sind LNG, Methanol, Ammoniak und Hybrid getrennt ausgewiesen? Drittens: Tonnagebereinigung. Wie verteilt sich die Tonnage, nicht nur die Anzahl? Viertens: Konzernkonzentration. Wie viele Akteure stecken hinter der Zahl? Fünftens: Infrastrukturabgleich. Passt die Bestellstatistik zur Bunkerinfrastruktur auf den eigenen Routen?

Five review steps for any orderbook analysis. First: segment resolution. What does the figure look like in one's own segment, not the overall market? Second: fuel definition. Are LNG, methanol, ammonia and hybrid separately reported? Third: tonnage adjustment. How is tonnage distributed, not just vessel count? Fourth: corporate concentration. How many actors are behind the figure? Fifth: infrastructure alignment. Does the ordering statistic match the bunkering infrastructure on one's own routes?

Kernpunkte auf einen BlickKey Takeaways

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Häufig gestellte FragenFAQ

Warum sind Orderbook-Zahlen trotzdem nützlich?Why are orderbook numbers still useful?
Sie zeigen Trends und Hinweise auf Lieferketten und Marktvertrauen.They reveal trends and clues about supply chains and market confidence.
Welche Zahl ist missverständlich?Which figure is most misleading?
Reine Anzahl ohne Segment und Kraftstofftiefe.A raw count without segment breakdown and fuel depth.
Für Investitionsentscheidungen nutzen?Can they be used for investment decisions?
Nur als ein Baustein neben technischer Machbarkeit.Only as one element alongside technical feasibility assessment.

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