Verluste beim Transport haben erhebliche Umweltwirkungen.
Verpackung, Terminalumschlag, Stauung und Meldewege.
Verlorene Pellets sind schwer rückholbar.
Prüfen wo Pellets in der Kette berührt werden.
Kunststoffpellets (auch Nurdles genannt) sind 2-5 mm große Granulate, die als Rohstoff für die Kunststoffherstellung dienen. Weltweit werden jährlich über 400 Millionen Tonnen produziert, ein erheblicher Anteil davon per Seefracht transportiert. Pellets werden in Containern (in Big Bags oder Säcken), als Schüttgut in Bulk-Carriern oder in Flexi-Tanks transportiert. Jede Transportform hat spezifische Verlustrisiken.
Containertransport: Das Hauptrisiko liegt in beschädigter Verpackung. Big Bags (FIBCs) können durch unsachgemäßes Handling beim Beladen oder durch Bewegung während der Reise reissen. Pellets gelangen dann in den Container, von dort über Kondensatabflüsse oder bei der Entladung ins Hafenwasser. Bei Containerverlusten auf See – im Durchschnitt fallen jährlich 1.500-3.000 Container über Bord – können Millionen von Pellets freigesetzt werden.
Bulk-Transport: Pellets als Schüttgut unterliegen denselben Risiken wie andere Schüttgüter: Staubentwicklung beim Be- und Entladen, Rückstände in Ladetanks, Verluste durch unvollständige Entladung. Aufgrund der geringen Größe sind Pellets jedoch schwerer rückholbar als andere Schüttgüter. Sie gelangen über Bilgen, Spülwasser und Reinigungsabläufe ins Meer.
Umschlag im Hafen: Terminals, an denen Pellets umgeschlagen werden, sind kritische Verlustpunkte. Verschüttungen beim Krantransfer, beim Lkw-Umschlag und in Lagerbereichen sind häufig. Ohne Auffangsysteme (Gullys mit Filtern, Auffangwannen, geschlossene Fördersysteme) gelangen Pellets bei jedem Regen ins Hafenwasser und von dort ins offene Meer.
Die ökologischen Folgen sind erheblich: Pellets werden von Meeresbewohnern als Nahrung aufgenommen, transportieren Schadstoffe (POPs, PAHs) als Trägermedium und reichern sich in Küstenökosystemen an. An einigen Stränden weltweit machen Pellets bereits über 70 % der Mikroplastik-Funde aus.
Die regulatorische Entwicklung trifft nicht nur Reeder, sondern die gesamte Lieferkette. Die EU-Pellet-Verordnung (in Vorbereitung) sieht Pflichten für Hersteller, Logistiker, Terminalbetreiber und Transporteure vor. Für maritime Unternehmen ergeben sich konkrete Handlungsfelder.
Für Reeder und Charterer: Prüfung der Ladungsbeschreibung auf Pellet-Inhalte. Sicherstellung, dass Container mit Pellet-Ladung besonders gesichert sind (Stausicherung, Integritätsprüfung). Meldepflicht bei Containerverlusten, die Pellets enthalten könnten. Überprüfung der Bilgenwasser-Entsorgung auf Pellet-Kontamination bei Schiffen, die Pellets als Schüttgut transportiert haben.
Für Terminalbetreiber: Installation von Auffangsystemen an Umschlagflächen und Entwässerungspunkten. Schulung des Personals in Pellet-Handhabung. Dokumentation von Verschüttungen und Reinigungsmaßnahmen. Regelmäßige Audits der Handhabungsprozesse.
Für Schiffsbesatzungen: Bewusstsein, dass Pellet-Verluste meldepflichtig werden. Prüfung der Container-Integrität bei sichtbaren Schäden. Dokumentation von Pellet-Rückständen in Laderäumen nach Entladung.
Die Regulierung von Pellet-Transporten entwickelt sich auf mehreren Ebenen parallel. Die IMO adressiert das Thema im Rahmen des Plastic Litter Action Plans und über Änderungen an MARPOL Annex V. Die EU verfolgt mit der Pellet-Verordnung einen eigenständigen, strengeren Ansatz. Einzelne Länder gehen noch weiter: Frankreich hat bereits 2021 ein Gesetz gegen Pellet-Verluste verabschiedet (Loi AGEC), das Zertifizierungspflichten für die gesamte Lieferkette vorsieht.
Für Betreiber, die international fahren, entsteht ein regulatorisches Mosaik: IMO-Standards als Minimum, EU-Standards für europäische Häfen, nationale Standards für bestimmte Flaggenstaaten oder Anlaufhäfen. Wer seine Prozesse an den strengsten Standard anpasst, ist überall compliant – wer nur das Minimum erfüllt, riskiert Probleme bei jedem Hafenwechsel.
Der Zeitstrahl deutet auf eine Verschärfung in den nächsten 2-3 Jahren hin. Die EU-Pellet-Verordnung wird voraussichtlich 2026-2027 in Kraft treten. IMO-Änderungen an MARPOL Annex V könnten bis 2028 wirksam werden. Betreiber, die jetzt ihre Prozesse anpassen, haben einen Zeitvorsprung von 1-2 Jahren.
Eine strukturierte Risikobewertung für Pellet-Transport umfasst vier Schritte: (1) Exposition ermitteln – Transportiert das Schiff oder der Terminal regelmäßig Pellets oder Kunststoff-Rohstoffe? Welcher Anteil am Gesamtladungsvolumen? (2) Verlustpunkte identifizieren – Wo in der eigenen Prozesskette können Pellets verloren gehen? Beladen, Stauung, Transport, Entladung, Laderaum-Reinigung? (3) Maßnahmen zuordnen – Für jeden Verlustpunkt: Welche Präventionsmaßnahme ist verfügbar und verhältnismäßig? (4) Dokumentation aufbauen – Nachweisfähige Prozesse implementieren, die einer Behördenprüfung standhalten.
Für Unternehmen mit geringer Pellet-Exposition reicht oft eine Aktualisierung des Garbage Management Plans und eine Sensibilisierung der Besatzung. Für Unternehmen mit hoher Exposition (regelmäßiger Pellet-Transport) ist eine systematische Prozessüberprüfung mit investiven Maßnahmen erforderlich.
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