Branche

Sustainability-Produkte für Kunden

Von Joshua Kantner · April 2026 · OceanSphere Consulting

Warum solche Produkte zunehmen

Cargo Owner wollen Scope-3-Profile verbessern.

Welche Produkte operativ Sinn ergeben

Nur solche mit belastbaren Nachweisen und klaren Systemgrenzen.

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Warum Kunden differenziert reagieren

Nicht alle suchen dasselbe: harte Minderung, Bilanzierung oder Übergangsprodukt.

Wie Glaubwürdigkeit aufgebaut wird

Präzise Begriffe, nachvollziehbare Daten und realistische Versprechen.

Technische Vertiefung: Produkttypen und ihre Substanz

Sustainability-Produkte in der Schifffahrt lassen sich in drei Kategorien einteilen. Die erste Kategorie umfasst Produkte mit physischer Emissionsreduktion: der Transport mit einem Schiff, das nachweislich weniger emittiert als der Branchendurchschnitt – etwa durch LNG-Antrieb, Methanol-Betrieb, Wind-Assisted Propulsion oder optimierte Geschwindigkeitsführung. Hier wird eine reale Reduktion auf der konkreten Transportstrecke erzielt.

Die zweite Kategorie sind Bilanzierungsprodukte. Dazu gehören Book-and-Claim-Systeme, bei denen ein Kunde die Emissionsreduktion eines anderen Transports für seine eigene Bilanz beansprucht – ähnlich dem Grünstrom-Zertifikatehandel. Diese Produkte sind bilanziell wertvoll, aber physisch bewirken sie keine Reduktion auf der konkreten Route des Kunden. Die Transparenz über diese Unterscheidung ist entscheidend für die Glaubwürdigkeit.

Die dritte Kategorie sind Übergangsprodukte: Kompensationslösungen wie CO2-Zertifikate aus Waldschutz- oder Effizienzprojekten, die die verbleibenden Emissionen eines Transports ausgleichen sollen. Diese Produkte sind am anfälligsten für Greenwashing-Vorwürfe, weil die Qualität der zugrundeliegenden Zertifikate stark variiert und die Additionality häufig fragwürdig ist.

Für alle drei Kategorien gilt: Die methodische Grundlage muss offengelegt werden. Welche Baseline wird verwendet? Welche Systemgrenzen gelten? Wie werden die Emissionen berechnet – Well-to-Wake oder Tank-to-Wake? Welche Datenquelle liegt zugrunde – MRV-Berichte, AIS-Daten, Modellrechnungen? Ohne diese Transparenz ist kein Sustainability-Produkt belastbar.

Praktische Auswirkungen: Was Kunden tatsächlich wollen

Die Nachfrage nach Sustainability-Produkten kommt überwiegend von großen Cargo Owners mit eigenen Nachhaltigkeitszielen und Berichtspflichten. Unternehmen, die unter die EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) fallen, müssen ihre Scope-3-Emissionen quantifizieren und reduzieren – Transport ist dabei ein wesentlicher Posten. Für diese Kunden ist die Qualität der Emissionsdaten ebenso wichtig wie die Reduktion selbst.

Andere Kunden sind primär an der Bilanzierung interessiert: Sie brauchen eine nachweisbare Reduktionszahl für ihre ESG-Berichte, unabhängig davon, ob die Reduktion physisch auf ihrer Route stattfindet. Für diese Zielgruppe sind Book-and-Claim-Produkte attraktiv, sofern die Methodik anerkannt ist.

Eine dritte Gruppe besteht aus Kunden, die regulatorische Anforderungen erfüllen müssen – etwa unter FuelEU Maritime, wo die Treibhausgasintensität des eingesetzten Kraftstoffs direkt reguliert wird. Für diese Kunden sind nur Produkte relevant, die eine anerkannte Reduktion der GHG-Intensität nachweisen können.

Fallkontext: Wie Linienreedereien Produkte anbieten

Maersk bietet mit „ECO Delivery“ ein Produkt an, das auf dem Einsatz von grünem Methanol basiert. Der Kunde zahlt einen Aufpreis und erhält eine nachweisbare Emissionsreduktion für seinen Transport – entweder physisch auf dem konkreten Schiff oder über ein Book-and-Claim-System. Die Transparenz über die verwendete Methodik und die Datengrundlage ist hoch, was das Produkt für anspruchsvolle Kunden attraktiv macht.

CMA CGM verfolgt einen ähnlichen Ansatz mit LNG-basierten Produkten, ergänzt durch Bio-LNG-Optionen. Hapag-Lloyd bietet Kompensationsprodukte über verifizierte Klimaschutzprojekte an. Die Qualitätsunterschiede zwischen diesen Ansätzen sind erheblich – und für den Kunden nicht immer transparent.

Die zentrale Herausforderung für alle Anbieter ist die Preisgestaltung. Der Aufpreis für grünen Methanol-Transport liegt deutlich über dem für eine einfache CO2-Kompensation. Kunden, die maximale Bilanzwirkung bei minimalen Kosten suchen, greifen daher häufig zu den billigeren, aber weniger substanziellen Produkten. Anbieter, die auf Qualität setzen, müssen den Mehrwert gegenüber dem Preisunterschied überzeugend kommunizieren.

Entscheidungsrahmen: Ein glaubwürdiges Sustainability-Produkt gestalten

Ein glaubwürdiges Sustainability-Produkt erfüllt vier Kriterien. Erstens: klare Methodik – die Berechnungsgrundlage ist offengelegt, die Systemgrenzen sind definiert, und die verwendeten Emissionsfaktoren sind nachvollziehbar. Zweitens: belastbare Daten – die Emissionsberechnung basiert auf gemessenen oder verifizierten Daten, nicht auf Modellannahmen. Drittens: ehrliche Kommunikation – der Anbieter unterscheidet klar zwischen physischer Reduktion, bilanzieller Zurechnung und Kompensation. Viertens: unabhängige Verifizierung – die Methodik und die Daten werden von einer unabhängigen Instanz geprüft.

Wer diese vier Kriterien nicht erfüllt, riskiert nicht nur Greenwashing-Vorwürfe, sondern auch den Verlust von Kunden, die zunehmend in der Lage sind, die Substanz hinter den Produkten zu bewerten. Der Markt reift – und mit ihm die Erwartungen der Käufer.

Kernpunkte

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Häufig gestellte Fragen

Warum entstehen Sustainability-Produkte?
Weil Kunden emissionsbezogene Lösungen nachfragen.
Was macht ein gutes Produkt aus?
Klare Methodik, Daten und ehrliche Kommunikation.
Alle Kunden gleich interessiert?
Nein. Anforderungen unterscheiden sich stark.

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