Sie signalisieren konkreten Klimaeffekt. Bei Überdehnung entsteht Glaubwürdigkeitsproblem.
Zu direkte Formulierungen wie emissionsfrei geliefert obwohl die Logik begrenzter ist.
Zuerst Methode, dann Reichweite der Aussage, dann Grenzen.
Präzise Sprache schützt Vertrauen und vermeidet spätere Korrekturen.
Emission Avoidance Claims basieren auf einem Vergleich: der tatsächliche Treibhausgasausstoss einer Aktivität wird einem hypothetischen Referenzszenario gegenübergestellt. Die Differenz wird als „vermiedene Emissionen“ ausgewiesen. Der Teufel liegt in den Details des Referenzszenarios.
In der Schifffahrt ist die gängigste Methode der Well-to-Wake-Vergleich. Wenn ein Schiff E-Methanol statt konventionellem VLSFO bunkert, werden die Treibhausgasemissionen beider Kraftstoffe über den gesamten Lebenszyklus verglichen — von der Produktion über den Transport bis zur Verbrennung an Bord. Nur wenn alle Stufen einbezogen werden, ist der Vergleich vollständig.
Die Problematik beginnt bei der Systemgrenze. Wird nur Tank-to-Wake betrachtet, erscheint die Emissionsminderung bei Methanol geringer, da Methanol bei der Verbrennung durchaus CO2 freisetzt — der Vorteil liegt primär in der Herstellung aus erneuerbaren Quellen (Well-to-Tank). Wer nur einen Teil der Kette kommuniziert, verzerrt das Bild.
Weitere methodische Fallstricke sind die Allokation bei Multi-Output-Prozessen (wenn ein Produktionsverfahren neben dem Kraftstoff weitere Produkte erzeugt), die zeitliche Zuordnung (wann wurde der grüne Strom für die Elektrolyse erzeugt?) und die Frage der Additivität (hätte die Emissionsminderung auch ohne die spezifische Massnahme stattgefunden?). Jede dieser Fragen kann den ausgewiesenen Vermeidungswert erheblich verändern.
Die meisten Avoidance Claims erreichen den Endkunden über Nachhaltigkeitsberichte, Scope-3-Erhebungen oder kundenspezifische Emissionsausweise. Dabei durchlaufen sie mehrere Hände: der Kraftstoffproduzent liefert die Basiswerte, der Carrier aggregiert sie pro Voyage oder pro TEU, und der Kunde integriert sie in seine eigene Klimabilanz.
Bei jedem Schritt besteht Informationsverlust oder Vereinfachung. Ein Carrier, der „30 % weniger CO2 pro TEU“ kommuniziert, muss klären: 30 % weniger als was? Als der Flottensdurchschnitt des Vorjahres? Als die durchschnittliche Branchenemission? Als ein konkreter Referenzkraftstoff? Ohne diese Angabe ist die Zahl wertlos — oder schlimmer: irreführend.
Für die Kundenkommunikation empfiehlt sich ein standardisiertes Datenblatt pro Shipment oder Periode, das folgende Elemente enthält: Kraftstofftyp und Quelle, Berechnungsmethode (Well-to-Wake oder Tank-to-Wake), Referenzszenario, absolute und spezifische Emissionswerte sowie das Zertifizierungsschema. Carrier, die diesen Standard früh etablieren, schaffen Vertrauen und reduzieren späteren Klärungsaufwand erheblich.
Mehrere Fälle in der jüngeren Vergangenheit zeigen, wie schnell unpräzise Claims eskalieren. NGOs wie Transport & Environment haben wiederholt Carrier kritisiert, deren Nachhaltigkeitskommunikation den Eindruck erweckte, bestimmte Routen seien „emissionsfrei“, obwohl die zugrunde liegende Methodik auf bilanzieller Zuordnung oder Book-and-Claim basierte.
Die Lektion ist klar: das regulatorische Umfeld — insbesondere die EU Green Claims Directive, die Unternehmen verpflichtet, Umweltaussagen wissenschaftlich zu belegen — wird den Spielraum für vage Formulierungen weiter einschränken. Betreiber, die heute in saubere Methodik und transparente Kommunikation investieren, sind besser auf künftige Anforderungen vorbereitet als solche, die mit unscharfen Formulierungen arbeiten.
Ein belastbarer Claim folgt vier Prinzipien. Erstens: Methode zuerst — bevor eine Zahl genannt wird, muss die Berechnungsgrundlage offengelegt sein. Zweitens: Systemgrenze klar definieren — Well-to-Wake, Tank-to-Wake oder eine andere Abgrenzung, und dies explizit angeben.
Drittens: Referenzszenario benennen — gegen was wird verglichen? Viertens: Grenzen ehrlich kommunizieren — was der Claim nicht abdeckt, ist ebenso wichtig wie das, was er aussagt. Ein Betreiber, der diese vier Prinzipien konsequent anwendet, baut eine Kommunikationsgrundlage, die auch unter kritischer Prüfung Bestand hat.
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